Jetzt fühle ich mich wie ein überm-kissen-im-sims-guckender Nachbarschaftsbeobachter, denn durch das Fenster, durch das die meiste Zeit einfach nur Licht in mein sonst ja dunkeles Zimmer fällt, das ab und zu benutzt wird um Leute auf der Straße mit Weinkorken zu bombardieren und durch das ich eher nebenläufing auch mal einen Blick werfe wenn ich am Rechner arbeite um mich ein wenig von jener schnöden 2-D Welt abzulenken, beobachtete ich, bzw. sollte ich sagen; musste ich beobachten, wie ein Diebstahl geschah. Ein Jugendlicher mit Fahrrad klaute aus einem parkendem Auto eine Handtasche. Ich verständigte selbstverständlich auf der Stelle die Polizei, welche auch nicht sehr viel später erschien, allerdings ohne den Jugendlichen Radfahrer am Schlewitchen zu haben, wie ich es mir für die junge Frau gewünscht hätte, deren Handtasche gestohlen wurde.
Sie sehen also, dass ich nicht mehr nur gelegentlich aus dem Fenster gesehen habe, sondern viel mehr daraus geglotzt habe! Es ließ mich nicht los, ich musste und musste wieder heraus gucken. Wie schrecklich denke ich! Jetzt bist Du schon geworden wie jemand der die ganze Zeit aus dem Fester sieht und seine Nachbarn bespizelt!
Jetzt werden sich vielleicht manche Fragen, warum ist er nicht einfach runter gegangen und die Sache aufgeklärt, dann hätte er ja nicht mehr aus dem Fenster gucken müssen? Aber nicht mit mir, ich gehe nicht darunter und rufe "Ich hab alles geseh’n!", soweit käme es ja noch, dass ich, nur um meinem voyeuristischen Verlangen etwas Auslauf zu geben, die ganze Misere noch verschlimmere. Schließlich kann ich ja doch nichts tun, was die Sache klären würde. Und stellen Sie sich mal vor Ihre Handtasche (Männer dürfen sich auch gerne einen Rucksack vorstellen) würde aus Ihrem Auto herausgeklaut werden. Wie würden Sie es finden, wenn dann jemand ankäme um sich an ihrem Leid zu laben? Denn nichts anderes als das wäre diese Handlung gewesen, wie ich mir schuldbewusst eingestehen muss. Aber Selbsterkenntnis …
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