Ein erster Schritt ist getan!

Sehr geehrte Frau von der Leyen,

Vorweg möchte ich Ihnen erst einmal meinen tiefen Dank für Ihre mutige und entschlossene Initiative aussprechen. Letztlich ist es Ihrem Engagement zu verdanken, dass der milliardenschwere Internetmarkt der pädophilen Sexualverbrecher und damit der Missbrauch von hunderten oder gar tausenden unschuldigen Kindern nun endlich ausgetrocknet wurde.

Die Geschichte wird Ihnen sicher entsprechend Tribut zollen und ich denke, dass auch ein großer Teil der deutschen Wähler diese Dimension Ihres edlen Handelns verstanden hat und Ihnen und Ihrer Partei dafür bei der Bundestagswahl im Herbst dieses Jahres seine Stimme schenken wird.

Obwohl Sie mit Ihrem pragmatischen Vorgehen auf viel Unverständnis, wohl vor allem von pädophilen Nutzniesern des sog. “freien Internet” und anderen moralisch verkommenen Subjekten gestoßen sind, konnten Sie Ihre Lösung dank Ihrer großen politischen Kompetenz durchsetzen. Gut so! Ich möchte Sie jedoch bitten mit der weiteren Bekämpfung des Verbrechens jetzt im “Rausch des ersten Erfolgs” nicht innezuhalten. Die Formen der Verbrechen im Internet sind vielfältig und beschränken sich nicht allein auf die bildlichen Darstellungen von Kindesmissbrauch! Ich bitte Sie also: Nutzen Sie die neuen Möglichkeiten, machen Sie weiter!

Wie Ihnen sicher bereits bekannt ist, gibt es im Internet neben dem verbrecherischen Milliardenmarkt für Kinderpornografie selbstverständlich auch einen ähnlich dimensionierten Markt für illegale Betäubungsmittel. Die Schäden, die die gesellschaftliche Integrität gerade unserer Kinder und Jugendlichen durch den Konsum der dort zu erwerbenden illegalen Suchtmitteln nimmt, sind allgemein bekannt. Die Kinder und Jugendlichen von heute sind jedoch die Gesellschaft von Morgen.
Im Namen unserer Kinder rufe ich Sie auf: Handeln Sie nachhaltig und ermöglichen Sie ein effektives Vorgehen unseres Staates bei der Suchtmittelbekämpfung im Internet!

Weiterhin wissen sie sicher, dass im Internet rechtsradikales Gedankengut sein Unwesen treibt. Als Politikerin, welche die Lektion des deutschen Nationalsozialismus kennt, wissen Sie, welche unmenschlichen Früchte der nationalsozialistische Geist trägt. Die demokratiefeindlichen rechtsradikalen Verführer setzten gerade in jüngster Zeit verstärkt auf das Internet, sicherlich auch wegen der sich dort leider noch immer unbeschränkt bietenden Publikationsmöglichkeiten.
Im Namen der Menschlichkeit und unseres Rechtsstaates: Verhindern Sie mit Ihrem Gesetz die weitere Verbreitung undemokratischen & rechtsradikalen Gedankengutes!

Eine gesunde Wirtschaft ist die Grundfeste unserer freien demokratischen Gesellschaft und auch unsere hohe Kultur ist für uns ein primäres gemeinschaftliches Gut. Diese beiden Sektoren unserer Gesellschaft sind besonders hoch entwickelt und Deutschland behauptet sich damit bisher sehr erfolgreich im globalen Wettbewerb. Entsprechende Beachtung sollten diese wichtigen Bereiche unserer Gesellschaft auch von der Politik erfahren. Doch gerade die Wirtschaft hat in letzter Zeit nicht nur die positiven Seiten der globalen Vernetzung zu spüren bekommen, nein, die Freizügigkeit des Internets hat gerade hier auch ihre dunklen Seiten aufgezeigt. Unsere einzigartige und bedeutende Kulturindustrie, welche in unserem Auftrag den Fortbestand der hohen ethischen Grundwerte unserer sozialen Gemeinschaft pflegt, hat durch die derzeit faktisch unbegrenzt mögliche illegale Vervielfältigung und Weitergabe ihres geistigen Eigentums schon starken Schaden genommen und kann die ihr übertragene Aufgabe kaum noch erfüllen.
Im Namen aller Befürworter unserer hohen kulturellen Werte: Bekämpfen Sie mit Ihrem neuen Gesetz die kulturbedrohende Möglichkeit der illegalen Weitergabe “fremden” geistigen Eigentums!

Die zur Manifestation der demokratischen Machtausübung notwendige Konsensfindung innerhalb unseres demokratischen Systems wird durch die Führung hochwertiger Diskurse zwischen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und den Medien ermöglicht. Sicher ist, dass ein gewisses Maß an Kommunikationskultur zur politischen Willensbildung und der damit erst einhergehenden Handlungsfähigkeit unseres Staates unumgänglich ist. Leider wirft auch hier die bislang ungebändigte Freizügigkeit des neuen Mediums Internet seine dunklen Schatten. Die Möglichkeit der zügellosen Meinungsäußerung, welche im Internet im Gegensatz zu den traditionellen Medien leider ohne die Zwischenschaltung von professionellen Redaktionen oder ähnlichen Instanzen möglich ist, verdirbt die bestehende und überlebensnotwendige Diskurskultur. “Stimmungsmachern” sind derzeit Tür und Tor zur Verbreitung ihrer zersetzenden Äußerungen geöffnet. Selbst das Ansehen und die Würde unserer Volksvertreter werden dabei nicht selten mit Füßen getreten. Wahrscheinlich haben Sie oder Ihre Kollegen aus dem Ministerium bereits leidliche Erfahrung mit solch diskursvergiftenden Diskutanten machen müssen. Offensichtliche Beleidigungen wie ”Stasi-Schäuble” oder ”Zensur-Ursula” stehen ungeahndet in der Öffentlichkeit und finden zu allem Überfluss auch noch Anklang bei Arglosen. Diskussionsplattformen, die unmoderiert sind, keinen Mindeststandards entsprechen oder auf denen beleidigende Äußerungen veröffentlicht werden, müssen zur Bewahrung des hohen Ansehens unserer Demokratie endlich unzugänglich gemacht werden.
Im Namen unserer funktionierenden Demokratie: Unternehmen Sie etwas gegen die Demokratie zersetzende Diskussionskultur im Internet, welche respektlose, beleidigende, staatsfeindliche Äußerungen in der Öffentlichkeit fördert und letztlich großen Schaden an unserer sozialen Einheit anrichtet!

Ihre Arbeit hat unserer Gemeinschaft ein Mittel in die Hand gegeben, welches den drohenden sittlichen Verfall der Gesellschaft durch die Zügellosigkeit der Kommunikation in einem globalen Medium aufhalten kann. Leider wird dieses Mittel keine Wirkung zeigen können, wenn die Anwendung leicht sabotiert werden kann. Entsprechende Umgehungsmaßnahmen werden schon heute illegal publiziert. Ihr Gesetz selbst muss zur Entfaltung seiner heilsbringenden Wirkung also geschützt werden.
Verhindern Sie also bis zum Einsatz einer endgültigen und nicht zu umgehenden Sperrlösung die Zugriffe auf die entsprechenden Informationsangebote!

Es ist dank Ihnen nun ein Leichtes, all die dargelegten Forderungen mit Ihrem Gesetz zu erfüllen. Den Menschen wurde mit dem Gesetz erstmals aufgezeigt, dass die Sperrungen von Internetinhalten keine Einschränkung für unbescholtene Bürger mit sich bringen und ausschließlich nützliches Potenzial tragen. Dies kann jedoch nur ein erster Schritt sein! Bitte ruhen Sie sich nicht auf diesem ersten Erfolg aus, gehen Sie Ihren Weg weiter und streiten Sie auch zukünftig für das Wohl unserer Gemeinschaft.
Sorgen Sie weiter für Ordnung!

Hochachtungsvoll

Diederich Heßling


Update

Es gibt mittlerweile - Gott sei Dank! - einflussreiche Bürger, die mein Anliegen teilen!

Dexter am 22.04.2009 um 17:20 in Internet, Politik & Gesellschaft, Unfug

Kommentare

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  1. Wechselwähler - Sat Apr 25 15:37:34 UTC 2009:

    Ob sie diesen Arkasmus versteht? Ich wage das zu beweifeln.

  2. Dexter - Mon May 11 22:48:53 UTC 2009:

    Ja, ich bezweifel es auch. Aber primär richtet sich der Text ja auch an die Leser hier. Ich hoffe nur, dass der Text auch in einigen Jahren noch als sarkastisch gelten kann :|

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