Risse im Gutenberg-Universum

Endlich wird von einem “traditionellen” Sender auch eine kulturhistorische Bewertung in den aktuellen Diskurs rund um die Internetkontrollversuche der Mächtigen eingebracht.

Andreas Göldi von netzwertig.com kommt in einem schönen Beitrag von 3sat-Kulturzeit mit folgender Aussage zu Wort:

“Ich glaube, durch die Erfindung der Druckmaschine wurde die moderne Demokratie überhaupt erst möglich und die alten Eliten, beispielsweise der Adel und auch der religiöse Klerus haben damit ihre Macht weitgehend verloren. Das Internet ist ein Medium, das die Gesellschaft so stark verändern könnte, dass auch hier alte Eliten in Gefahr geraten, ihre Machtposition zu verlieren.”

Interessant auch der Artikel ”Den Auslöser und die Implikationen verstehen” im Heimatblog von Göldi (obgleich der Text von einem anderen Autor stammt).

Die dortigen Ausführungen beschreiben aus einer medienökonomischen Perspektive die Änderungen, die der Medienwelt derzeit widerfahren. Betrachtet man die Medien als staatstragende 4.Gewalt unseres Systems und die sich daraus ableitenden Meinungshoheiten, die sich in feiner Balance mit den bestehenden Herrschafts- und Eigentumsverhältnissen befinden, erkennt man schnell, welcher Bedrohung die aktuellen Machteliten ausgesetzt sind. Es handelt sich dabei also um weit, weit mehr als irgendwelche Vertriebswege für Populärmusik! Es geht viel mehr darum, wer zukünftig jene Kommunikationsstrukturen beherrscht, die die Welt(sicht) des Einzelnen bestimmen, welche also letztlich unser gesellschaftliches Selbstverständnis determinieren.

Dexter am 29.05.2009 um 01:09 in Internet, Politik & Gesellschaft

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