Kommunikationsversuche

Es gab ja diese Tage öffentlichen Direktkontakt zwischen der ”Generation Kugelschreiber” und der Generation C-64 “Generation Internet”. Franziska Heine (mittlerweile hoffentlich hinreichend bekannt) traf sich bei der Holzpresse (“Die Zeit”) mit Bundesfamilienministerin von der Leyen zu einem Gespräch zum Thema Internetzensur.

Vorweg ein Wort zum Gebaren der “Zeit”, die das Interview führte und vermarktete: Die Zeit hat es sich nicht nehmen lassen, den online publizierten Artikel anders zu überschreiben, als den auf Papier gedruckten Text. Online wurde getitelt:

Internetaktivistin Franziska Heine und Familienministerin Ursula von der Leyen streiten über die Stoppschilder vor Kinderpornoseiten

Die Druckausgabe trug den Titel:

Die Internetaktivistin Franziska Heine und Familienministerin Ursula von der Leyen sprachen über das Verbot von Kinderpornografie

Dieser Umstand findet hier nur Erwähnung, weil er ganz prima die in meinem letzten Artikel angesprochenen systemischen Defizite “unserer” Massenmedien aufzeigt.

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Die einzelnen, im Interview gemachten Aussagen der Protagonisten will ich hier nicht analysieren. Es gibt sicher schon zahlreiche gute Analysen im Netz. Eine findet sich beispielsweise bei Herrn Leitner. Nur soviel: Es war ein Treffen zwischen einem medienunerfahrenen, dafür engagierten Bürger, welcher im Interview innerhalb eines komplexen Themenfeldes rational argumentiert und einem medienerfahrenen Politiker, welcher gezwungen ist, populistische Argumentationsweisen nutzen und dabei auch nicht vor Halbwahrheiten und (innerhalb des Interviews nicht überprüfbaren) Lügen innerhalb seines rhetorischen Spektrums zurückschrecken darf. Man konnte dieses Phänomen ganz ähnlich auch in der ”Diskussion” zwischen Piratenparteivorsitzendem Dirk Hillbrecht und Prof. Rupert Scholz (CDU) beobachten. Soweit so unspektakulär - soweit so trostlos.

Man sollte sich derzeit sicher verstärkt ins Bewusstsein bringen, dass unsere Gesellschaft mit ihrer jetzigen Organisationsform wahrlich keine guten Voraussetzungen dafür bietet, dass selbstständig denkende Menschen, die den Ausweg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit suchen, einen wesentlichen politischen Einfluss ausüben können. Unser System - und damit ist nicht nur das politische gemeint - bevorzugt Machtmenschen und Opportunisten.

Was wir momentan jedoch erleben und woran auch Frau Heine ihren Anteil hat, ist die Formierung einer neuen Freiheitsbewegung. Je gründlicher die ersten naiven Kommunikationsversuche (und Kommunikation ist nichts weiter als der Versuch “Welten” zu ändern) der neuen Bewegung mit dem bestehenden System scheitern werden, desto stärker wird die Motivation dieser Bewegung. Denn prekärerweise doch gerade die ungehinderte Kommunikation das zentrale Anliegen der neuen Initiative.

Dexter am 25.06.2009 um 23:13 in Internet, Politik & Gesellschaft

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